LIEBE ZUM DETAIL
20. - 22. Oktober 2015: Dorotheum-Auktionswoche mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts, Antiquitäten und Juwelen

LIEBE ZUM DETAIL
20. - 22. Oktober 2015: Dorotheum-Auktionswoche mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts, Antiquitäten und Juwelen
 
 Copyright: Dorotheum
 

Tiziano Vecellio und Werkstatt, Maria Magdalena, € 200.000–300.000, Francesco Guardi, Begegnung Abrahams mit den drei Engeln, € 120.000–150.000, Jan Brueghel I, Belebte Dorflandschaft, € 300.000–400.000, Fausto Zonaro, Selbstporträt, € 50.000–70.000
 
Höhepunkt der Dorotheum-Herbstsaison ist die große Auktionswoche vom 20. bis 22. Oktober 2015. Bilder von Alten Meistern, Gemälde des 19. Jahrhunderts, Möbel, Glas und Porzellan, Skulpturen und Juwelen demonstrieren, wie schön alternative Geldanlagen aussehen können.

Familie Brueghel
Auktion Gemälde Alter Meister, 20. 10. 2015

Die Malerfamilie Brueghel ist bei der Auktion von Gemälden Alter Meister am 20. Oktober 2015 bestens vertreten. Jan Brueghel I. (1568 – 1625) „Belebte Dorflandschaft mit Kanal“, bei der er die Genres von Fluss- und Dorflandschaft kombiniert, kommt zu einem Schätzwert von 300.000 bis 400.000 Euro unter den Hammer. Bereits im April dieses Jahres versteigerte das Dorotheum seine „Rast an der Windmühle“ um 523.444 Euro. Brueghel-Experte Klaus Ertz rechnet „diese Geschichten erzählenden Dorflandschaften zu den fortschrittlichsten und zukunftsweisendsten Kompositionen des Malers, die er ab ca. 1605 malt.“ Auf dem Bild sind unter anderem die so genannten „Hessenwagen“ zu sehen, ein von mehreren Pferden gezogenes Fuhrwerk, mit dem der Warenumschlag von Antwerpen nach Süddeutschland und Italien besorgt wurde.

Flora und Fauna

Friedlich stehen Vogel Strauß und Äffchen neben possierlich-zahmen Raubkatzen – so etwas kann nur vor dem biblischen Sündenfall gewesen sein: Jan Brueghel II. gibt sich der schönen Illusion der  Paradieslandschaft hin, wobei zusätzlich der darin befindliche „Vogelbaum“ als Allegorie des Gehörsinns zu verstehen ist (€ 100.000 – 150.000). Sein Bild „Ein Korb und eine Tazza mit Rosen Tulpen und Lilien“  bringt hingegen aufs Prächtigste die Flora zur Geltung (€ 120.000 – 180.000).

Nahezu manieristisch in Farbigkeit und Komposition mutet der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstandene Altar von Pieter Coecke van Aelst an. Das spätgotische, bereits Richtung Renaissance gehende Triptychon, das sich u. a. im Besitz von Erzherzog Leopold Salvator von Österreich befand, weist sowohl italienische als auch orientalische Einflüsse auf. Innovativ für die damalige Zeit ist auch der Umstand, dass die Szenen auf den Altarflügeln direkt an das zentrale Bild anschließen. Coecke van Aelst, äußerst detailverliebt, legt besondere Aufmerksamkeit in die Architekturdarstellung – der Maler höchstselbst übersetzte u. a. Traktate von Vitruv ins Flämische (€ 100.000 – 150.000).

Jäger(in) und Gejagte

Flämischer Barock at it‘s best kommt von Jan Fyt, dem führenden Maler seiner Zeit, Schüler von Frans Snyders. Er verband meisterlich mythologische Szenen mit Stillleben-Darstellungen. Im Fall von „Die Göttin Diana empfängt die Jagdbeute“ drapiert er um die Jagdgöttin und ihre Helferinnen eine Reihe von Jagdhunden und Wildtieren (€ 150.000 – 200.000).

Neuentdeckungen

Bei der italienischen Altmeister-Offerte zeigt sich Tiziano Vecellio und Werkstatt bei der Darstellung von Maria Magdalena relativ experimentell. Tizian und Werkstatt brachten zahlreiche Versionen der Büßenden Maria Magdalena hervor, die sich in zwei wesentliche Typen gliedern: Die erste Serie aus der Zeit zwischen 1530 und 1540 zeigt Maria Magdalena vollkommen nackt, bedeckt indes von üppigem Haar. Der andere Typus mit Gewand, zu dem das im Dorotheum angebotene Bild zählt, entstand vermutlich um 1550. Das Bild ist kleiner als andere bekannte Exemplare dieses Typs, das Buch ruht nicht auf einem Schädel und der Maler streckte und verjüngte die Vase links im Bild aufgrund der kleinen Leinwand (€ 200.000 – 300.000).

Dieses Bild ist ebenso eine Neuentdeckung wie „Die Gefangennahme Christi (Ecce Homo)“, ebenfalls Tizian/Werkstatt. Röntgenanalysen offenbarten ein „Porträt eines Mannes“ darunter. Es ist typisch für die Arbeitspraxis von Tizian und seiner Werkstatt Leinwände wiederzuverwenden, um der enormen Nachfrage nach Bildern von einem der gefeiertsten Künstler der Kunstgeschichte nachzukommen (€ 100.000 – 150.000).

Fantasiestücke

In Pastell zeigt sich Francesco Guardis „Begegnung Abrahams mit den drei Engeln“, eine typische Arbeit von Venedigs führendem „Settecento“-Künstler, vereint ausgeklügelte Bildkomposition und malerische Qualität (€ 120.000 – 150.000). Rasche Skizzen, Capricci, hingegen sind die aus Guardis späterem Werk stammenden, kleinformatigen „Ruinencapricci in der Lagune von Venedig“, vier Gegenstücke, für die insgesamt zwischen 200.000 und 300.000 Euro erwartet werden. Die Fantasiestücke, zuvor in einer französischen Sammlung,  zählen ebenso wie Michele Marieschis „Capriccios mit Ruinen an einer Küste“ zu Beispielen venezianischer Künstler des 18. Jahrhunderts, die im als „pittura di tocco“ bekannten Malstil arbeiteten (€ 100.000 – 150.000).

Einer der ersten im Raum Bologna auf Stillleben spezialisierten Künstler, Paolo Antonio Barbieri – dem Bruder von Giovanni Francesco, il Guercino – stammt ein bedeutendes Vierer-Set von Stillleben (je € 50.000 – 70.000).

Das Angebot umfasst ebenfalls frühe italienische Gemälde auf Goldgrund – u. a. von Martino Bartolomeo da Siena - sowie ein außerordentlich gut erhaltene frühes Bild der Werkstatt Sandro Botticelli.

Ochsen beim Teufel
Auktion Gemälde des 19. Jahrhunderts, 22. 10. 2015

Für seine Enten-Darstellungen wurde der „Enten-Koester“ bekannt und ausgezeichnet: Alexander Koesters „Wilde Jagd“ ist einer der Höhepunkte bei der Auktion mit Gemälden des 19. Jahrhunderts am 22. Oktober 2015 (Schätzwert € 120.000 – 150.000).

Österreichisch wird das Angebot mit Olga Wisinger-Florians „Veilchen“ aus dem Jahr 1897 (€ 20.000 –25.000), mit Anton Romakos hochdramatischen ,,Ochsentreiber in der Campagna bei der Sedia del Diavolo“, und einem Blumenstillleben von Josef Lauer (€ 40.000 – 60.000, € 25.000 – 35.000). Das Selbstportrait des italienischen Malers Fausto Zonaro, der einige Jahre am Hof des Sultans Abdülhamid II in Konstantinopel lebte und arbeitete, soll 50.000 bis 70.000 Euro einbringen.

„Le gioie della buona Mamma“, d. h. „Die Freuden der guten Mutter“, bannte Giuseppe Sciuti auf Leinwand. Dieses Bild gehört zu der größten und wichtigsten Privatsammlung von Werken Sciutis und ist – neben einer vielfigurigen Historienszene aus der Geschichte Siziliens - Teil der Dorotheum-Auktion. Sciutis Porträts, Genre- und Historienbilder wurden einst international ausgestellt und geschätzt. Zu Lebenszeiten galt er als bedeutender Maler, geriet aus der Mode und wurde vor zwei Jahrzehnten durch eine italienische Museumsschau wiederentdeckt.

Geheimes Innenleben
Auktion Antiquitäten, 21. 10. 2015

Eine absolute Rarität wird bei der Möbel-Auktion am 21. Oktober 2015 um die Gunst der Sammler buhlen, und zwar ein klassizistischer Doppelschreibschrank von David Roentgen, dem bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Kunsttischler des 18. Jahrhunderts. Integriert ist u. a. ein Hebemechanismus für ein Stehpult, die ausgeklügelte Inneneinrichtung verfügt über zahlreiche Nischen und eine versenkbare Geheimlade. Diese Raffinessen machten die „Neuwieder Möbelmanufaktur“ zu begehrten Ausstattern der bedeutendsten Häuser Europas. Neben dem französischen Hof unter Ludwig XVI. und Marie Antoinette belieferte er auch den russischen Zarenhof. Zarin Katharina II. lud ihn mehrfach nach Sankt Petersburg ein. Die Provenienz des im Dorotheum offerierten, bestens in der Fachliteratur dokumentierten Möbels ist außergewöhnlich: Es befand sich in den vergangenen 30 Jahren als Dauerleihgabe eines privaten Sammlers im Roentgen-Museum Neuwied. Für diese um 1790 entstandene Meisterarbeit erwartet sich das Dorotheum 150.000 bis 200.000 Euro.

Edles Trinken

Trinksprüche in der Glas- und Porzellan-Auktion am 21. Oktober 2015: Knapp 100 Jahre alt ist der Becher von Anton Kothgasser, ein Neujahrsbecher mit bemalter Sonne und der Widmung: "Alles Gute, Glück und Wonne, Heiterkeit und Seelenruh, Lächle jede Morgensonne, Dir in diesem Jahre zu". Der neue Besitzer dieses Biedermeierglases sollte dafür 8.000 bis 12.000 Euro widmen.

Nicht spülmaschinenecht – aber das dürfte den Käufer des 12-teiligen Porzellanservices der Wiener kaiserlichen Manufaktur, 1799-1817, keinesfalls stören. Feinste Blumenmalerei auf Goldgrund zeichnet dieses Ensemble aus (€ 17.000 – 24.000).

 

AUKTIONSWOCHE 20. BIS 22. OKTOBER 2015  
Alte Meister Dienstag, 20. Oktober 2015, 17 Uhr
Antiquitäten (Möbel, Skulpturen, Glas, Porzellan) Mittwoch, 21. Oktober 2015, 14 Uhr
Gemälde des 19. Jahrhunderts Donnerstag, 22. Oktober 2015, 17 Uhr
Juwelen Donnerstag, 22. Oktober 2015, 13 Uhr
Besichtigung ab Samstag, 10. Oktober 2015
Ort Palais Dorotheum, Wien 1, Dorotheergasse 17
Online-Kataloge www.dorotheum.com

 

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